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Amtlich Güglingen | 01.06.2026
Wie die „Wilhelm-Straße“ zu ihrem Namen kam - hat unsere Stadtarchivarin Emma Koska recherchiert:
Nach den Stadtbränden von 1849 und 1850 wurde Güglingen wieder neu aufgebaut. Jedoch mit genauen Richtlinien, damit solche Brände nicht wieder vorkommen sollen. Nunmehr sollten die Straßen verbreitert und neue Querstraßen geschaffen werden, damit mehr Platz zwischen den Häusern ist und weniger Häuser eine Einheit bilden. So wollte man das schnelle Übergreifen des Feuers zwischen den Häusern vermeiden. Denn beim Stadtbrand in der Nacht vo, 7. März 1849 wurden 79 Haupt- und 60 Nebengefäude vernichtet, 134 Familien mit 630 Personen waren obdachlos geworden. Leider starb ein Feuerwehrmann aus Michelbach und ein Kind, ein weiterer Feuerwehrmann aus Ilsfeld überlebte schwerverletzt. Erst morgens um 7 Uhr traf die Heilbronner Feuerwehr - nach einer fünfstündigen Fahrt - in Güglingen ein und konnte das Feuer bekämpfen.
Die Hilfsbereitschaft der Menschen war groß, auch in Stuttgart wurden Hilfsgüter und Gelder gesammelt. König Wilhelm I. spendete 2000 Gulden, der Kronprinz 300 Gulden. In kurzer Zeit kamen 38.000 Gulden zusammen. Neben der Kirche war auch das Rathaus eines der Gebäude, die zuerst wieder aufgebaut worden sind. Für das Rathaus (das heutige Römermuseum) wurden 10.000 Gulden veranschlagt, am 26. Mai 1850 konnte es wieder bezogen werden. Die benachbarte Kirche wurde am 3. November 1850 wieder eingeweiht, die Brandentschädigung von 34.000 Gulden deckte gaade die Kosten für den Wiederaufbau.
Beim zweiten Brand am 24. April 1850 brannte es in dem Teil von Güglingen, der beim ersten Brand verschont geblieben war. Dabei wurden 29 Familien obdachlos. Bei beiden Bränden konnte man nie die Ursachen ermitteln, vermutete jedoch jeweils Brandstiftung.
Um mehr Abstand zwischen den neuen Gebäuden zu schaffen, wurde westlich der Stadt das Neubaugebiet Neuweiler eröffnet, das in gleichwertige Häuser sowie gerade, rechtwinklige Straßen geviertelt werden sollte. Die Straße, die diesen neuen Stadtteil gliederte, hieß zunächst Neuweiler Straße. Am 4. Juni 1855 besuchte König Wilhelm I. eine halbe Stunde lang die neu aufgebaute Stadt, ließ sich auf einem Rundgang alles Nähere zeigen und sprach sich lobend über den Aufbau aus - schrieb Historiker Gerhard Aßfahl im Heft 1 im Jahr 1974 des Zabergäuvereins. In Erinnerung an diesen Besuch erhielt die Wilhelmstraße ihren Namen.
