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Römermuseum Güglingen | 01.06.2026
Lebhafte Gesprächsrunde bei Teil 1 der Frauen-Trilogie.
Wenn Sirenen aufheulen, ist das ein akutes Warnsignal. Wird jemand bezirzt, wird er um den Finger gewickelt, betört oder überredet. Hat jemand eine Odyssee hinter sich, ist damit eine lange, anstrengende und oft nervenaufreibende Irrfahrt gemeint. Um gefährliche Verführerinnen wie die Sirenen, Circe, Skylla und Charybdis drehte sich die erste Themenführung der Frauen-Trilogie mit Frank Merkle im Römermuseum. Mythische Frauenfiguren, wie sie der griechische Dichter Homer im antiken Epos „Odyssee“ beschreibt, sind personifizierte Naturereignisse wie Meerengen, Strömungen und Stürme, erläuterte der Referent anhand einer Landkarte des Mittelmeerraums und des Reliefs, das die zehnjährige Heimkehr des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg schildert. Odysseus, was der ‚Listenreiche‘ bedeutet, steht für das Vernünftige. Die Hindernisse, die sich dem Seefahrer in den Weg stellen sind unberechenbar, lebensgefährlich und irrational, sie werden weitgehend durch monströse Frauengestalten verbildlicht.
In Wort und Bild hat sich die Erzählung aus patriarchaler Perspektive über die Jahrhunderte ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Wenn es zuvor Matriarchate gegeben hatte, wodurch konnte der männliche Blick die Definitionsmacht erlangen? Wäre nach 2800 Jahren nicht endlich eine Revision angesagt? Gibt es feministische Forschung, die einen Perspektivenwechsel einleiten könnte? Merkle begrüßt die kenntnisreichen Fragen der Besucherinnen, aus denen sich eine lebhafte Gesprächsrunde entwickelt. (LW)

Ebenfalls über Sirenen, aber auch über die Arbeits- und Lebenswirklichkeit ging es in der ersten Starke Frauen-Führung im Römermuseum unter dem Motto "Von Menschen und Göttern - Objekte erzählen Frauenleben". Althistorikerin Angelika Beck erzählte wie die Römerinnen gelebt haben, welchen Stellenwert sie hatten. So konnte eine bürgerliche Frau durchaus ihren Ehemann verlassen, allerdings blieben die Kinder in jedem Fall beim Vater. Wenn der Gatte verstarb, übernahm seine Witwe die Geschäfte - zumindest so lange, bis ein Sohn alt genug war, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Manche Römerinnen waren Vorbilder für andere Frauen, nicht nur in Sachen modischer Kleidung oder Frisuren, auch bei Lebensstil und Werten. Besonderes Augenmerk richtete Angelika Beck auf die Ausstellungsstücke in den Vitrinen: Von so mancher Haarnadel lassen sich Rückschlüsse auf die Lebenssituation ihrer Trägerin ziehen. Den Göttinnen wurde ebenfalls genügend Platz eingeräumt: In Güglingen belegen beispeilsweise zahlreiche Funde der Pferdegöttin Epona, dass unsere Gegend schon damals ländlich und landwirtschaftlich geprägt war. (IS)