Förderverein Altenheim Zabergäu/Leintal e.V. | 17.03.2026
Bei der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung des Fördervereins Gesundheitsversorgung Zabergäu und Umgebung e.V. im Haus Zabergäu ging der Vorsitzende Rolf Kieser in seiner Begrüßung auf das Altenheim ein und kann mit einer beeindruckenden Zahl aufwarten: Vor über 60 Jahren habe man bereits die Notwendigkeit einer Pflegestation gesehen. Mittlerweile habe der Förderverein Altenheim 526.000 Euro dafür aufgebracht. Mit Bezug auf den Vortrag „Pflegenotfall? - Situation und Entwicklung der Altenpflege” von Sarah Setzer, Regionaldirektorin der Evangelischen Heimstiftung, warf Kieser einen Blick auf die kommenden Herausforderungen: Engpässe bei den Pflegeplätzen durch die geburtenstarken Jahrgänge, verschärft durch die Umstellung auf Einzelzimmer gemäß Gesetzesänderung, dadurch auch steigende Kosten, schließlich der gravierende Mangel an Pflegepersonal und die Reform der Pflegekassen bis Ende 2026.
In ihrem Vortrag stellte Sarah Setzer die Evangelische Heimstiftung in Zahlen vor. In 170 Einrichtungen sind 11350 Mitarbeiter tätig, davon 1020 Auszubildende und 150 FSJler. Sie betreuen 15.935 Personen. Deutschlandweit gibt es knapp 5 Millionen Pflegebedürftige, in Baden-Württemberg sind es ca. 540000, von denen 83 Prozent zu Hause versorgt werden, davon 300.000 von Angehörigen. Nur 17 Prozent sind vollstationär in Heimen. Ab 2030 werden die Pflegeplätze im Landkreis Heilbronn knapp. Ein weiteres Thema ist der Bedarf an Pflegekräften. Die Zahl der in den Ruhestand gehenden Mitarbeitenden wird durch die Azubis nicht gedeckt. Die Arbeit einer Pflegefachkraft habe in der Öffentlichkeit immer noch - zu Unrecht - ein schlechtes bzw. falsches Image. Das Monatsbruttogehalt liegt bei rund 4000 Euro. Ungünstig sind die Arbeitszeiten. Aber es werden viele Maßnahmen ergriffen, um die Attraktivität des Berufs zu steigern - von Benefits wie E-Bikes, Gesundheitsförderung, der Bereitstellung von Exoskeletten für Mitarbeiter bis hin zu E-Learning oder Unterstützung durch Roboter (Testphase). Ab 2028 wird der Einsatz von KI getestet. Schriftliche Dokumentationen sollen über das Spracherkennungsprogramm „Voize” erleichtert werden. Noch sind etwa zwei Drittel der Mitarbeiter Deutsche, 10% aus der EU, 22% aus Drittstaaten. Bei den Auszubildenden kommen 65% aus Drittstaaten, 6% aus der EU, ein knappes Drittel ist deutsch. Weniger Bürokratie und reduzierte Qualitätsprüfungen, dafür mehr Eigenverantwortung in der Pflege chronisch Kranker erhofft man sich von einem neuen Gesetz (BEEP) seit dem 1.1.2026.

Im Anschluss ging Rolf Kieser ausführlich auf den „doppelten Verlust” - Krankenhaus und Notfallpraxis - und alle Versuche, zumindest die Praxis zu retten, ein. Optionen adäquater Ersatzangebote für die Notfallpraxis werden überdacht. Eine weitere Sorge ist die wachsende Nichtbesetzung von Hausarztpraxen, etwa 1000 allein in Baden-Württemberg, 70 im Landkreis Heilbronn. Dabei fehlt es keineswegs an Ärzten, wie in der lebhaften Diskussion festgestellt wurde. Der Wunsch nach Niederlassung ist allerdings gering. Die Aufgaben gehen dem Förderverein nicht aus. Oder wie Helmut Kayser zum Ende der Veranstaltung feststellt: „Wir brauchen den Förderverein auch in der Zukunft.“
Text und Foto mit freundlicher Genehmigung von Helga El-Kothany