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Amtlich Güglingen

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Amtlich Güglingen

Amtlich Güglingen | 10.03.2026

Auf dem Weg zu einer lebendigen Ortsmitte

Dem Gemeinderat wurde eine Qualitätserfassung mit Handlungsimpulsen vorgestellt

Die Ortsumfahrung ist fertig, jetzt soll Güglingens Ortsmitte davon auch optisch profitieren. Im Rahmen des Projekts „Lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten für Baden-Württemberg“ des Verkehrsministeriums stellte Teresa Habura von der Planersocietät Karlsruhe dem Gemeinderat nun das Ergebnis einer ersten Qualitätserfassung vor. Es bezieht sich auf die Hauptdurchgangsstraßen L1103 vom Schafhausplatz bis zur Lindenstraße und auf die L1110, die Kleingartacher Straße, von der Marktstraße bis zum Stadtgraben. Ein Ergebnis: Es gibt Optimierungspotenzial.

Schnelle Impulse gesucht

Lebendig und verkehrsberuhigt, ein Ort der Begegnung: so könnten Ortsmitten aussehen. Etwas ruhiger sind Maulbronner-, Markt- und Heilbronner Straße, seit der überörtliche Verkehr um Güglingen herumfährt. Das Ziel der Qualitätserfassung durch eine Vor-Ort-Begehung war es nun, schnelle, objektive Impulse als Start in die Entwicklung zu einer Ortsmitte mit mehr Aufenthaltsqualität aufzuzeigen. Dabei wurden unterschiedliche Aspekte bewertet. Der öffentliche Verkehr und der Radverkehr bekamen von der Expertin 4,5 von sechs Punkten, Aufenthaltsqualität und Grün versieht sie ebenso wie Ortsbild und Nutzung sogar mit der vollen Punktzahl. Die Verträglichkeit des Kraftverkehrs bekam dagegen nur zwei, der Fußverkehr gar null Punkte.

Hindernisse auf Gehwegen

Als Beispiel für schwierige Aspekte werden Tempo 50 auf der Kleingartacher Straße, die teilweise geringen Gehwegbreiten und stellenweise Hindernisse auf den Gehwegen sowie nicht barrierefreie Haltestellen genannt. Positiv bewertet wurden dagegen etwa regelmäßige Sitzgelegenheiten, eine vielfältige Nahversorgung, Radabstellanlagen mit Rahmenhalterung und dass alle Haltestellen mit Zusatzausstattung versehen sind.

Straßenraum anpassen

Teresa Habura schlug ein paar erste Handlungsimpulse vor. Der erste ist die Straßenraumgestaltung in der Markt- und Heilbronner Straße. Durch das stark gesunkene Verkehrsaufkommen sieht sie das Potenzial, den Straßenraum anzupassen und aufzuwerten. Das beinhaltet auch die Parkplätze, die die Gehwege einschränken. Langfristig wäre die Neuaufteilung des Straßenraums mit breiteren Gehwegen und Tempo 20, mehr Begrünung für die Aufenthaltsqualität, eine optische Abhebung des Straßenraums und Multifunktionsstreifen eine Möglichkeit, sofern es mit dem Linienbusverkehr vereinbar ist.

Bei den zwei durch eine Treppe beziehungsweise die Häuserkante vorhandenen Engstellen beim Gehweg auf Höhe von Marktstraße 14 und 20 könnte ebenfalls durch eine Umgestaltung des Straßenraums mit einer Verbreiterung des Gehwegs oder einer kurzen Engstelle in der Fahrbahn Abhilfe geschaffen werden. Dies müssen allerdings die Sichtbeziehungen und die Verkehrszusammensetzung zulassen.

Bürgerschaft soll beteiligt werden

Für die Umgestaltung des Straßenraums hat das Büro drei erste Visualisierungen dabei. Die erste sieht eine schmalere, gepflasterte Fahrbahn sowie mehr Begrünung auf der Seite der Kelter vor. Die zweite schlägt beidseitig Bäume und eine Pflasterung nur am Rand vor, während die dritte den Pflasterstreifen in die Mitte verlegt und Tempo 20 einführt. Da diese Umgestaltung viele Menschen betrifft, sollen diese mittels eines Beteiligungsprozesses frühzeitig einbezogen werden. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung einstimmig, entsprechende Vorschläge und Angebote einzuholen.

Barrierefreie Ortsmitte

Doch es gibt noch mehr Handlungsimpulse. Dazu gehört die barrierefreie, mit taktilen Elementen ausgestattete Umgestaltung der Haltestellen Neues Rathaus und Kirche. Die Busbucht wird aufgrund des geringeren Verkehrs als eher unnötig betrachtet, die Haltestelle könnte deswegen an den Fahrbahnrand verlegt werden, um mehr Aufenthaltsfläche zu gewinnen. In eine ähnliche, fußgängerfreundliche Richtung geht der Vorschlag, die bisher unebene Pflasterung auf dem Marktplatz und der Marktstraße barrierefreier zu gestalten. Das könnte etwa mit mindestens 1,20 Meter breiten Komfortstreifen erreicht werden, die einen glatten Belag bekommen. Wege um das Römermuseum, auf dem Marktplatz und entlang des südlichen Gehwegs wären so einfacher für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren, aber auch Kinderwagen benutzbar.

Kreisverkehr prüfen

Als einen Knackpunkt sieht das Büro auch den Knotenpunkt Maulbronner-/ Kleingartacher-/Eibensbacher- und Marktstraße. Die separaten Linksabbiegerstreifen seien bei weniger Verkehr nicht mehr notwendig und verbrauchen nur Fläche. Alternativ könnte hier entweder ein Kreisverkehr mit Fußgängerüberwegen geprüft oder die Gehwege verbreitert werden.

Viele der Maßnahmen sind allerdings nur in Zusammenarbeit mit externen Akteuren wie Baulastträgern umsetzbar. Trotzdem kann das Dossier nicht nur als erster Baustein hin zu einer lebendigen, verkehrsberuhigten Ortsmitte gesehen werden. Es dient auch als Voraussetzung für eine mögliche Förderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungskonzept.