Amtlich Güglingen | 03.03.2026
Rückläufige Geburten- und Betreuungszahlen: Aktuell gibt es keinen Bedarf für einen weiteren Kindergarten
Der geplante Kindergarten Riedfurt in Frauenzimmern wird vorerst nicht gebaut. Das hat der Güglinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen. Hintergrund sind rückläufige Geburten- und Betreuungszahlen. Sie spiegeln sich auch in der Bedarfsplanung für die Jahre 2026 bis 2028 wider, die in der Ratssitzung vorgestellt wurde. Dabei wurde deutlich: Der Bedarf für einen Kindergartenneubau ist aktuell nicht gegeben. Die Planungen werden gestoppt, können bei geänderten Vorzeichen aber schnell wieder reaktiviert werden. „Wir mussten auf die neuen Bedarfszahlen reagieren. Die derzeit laufende Planungsphase noch abzuschließen, ist sinnvoll, das macht uns handlungsfähig“, sagt Bürgermeister Michael Tauch.
Werkplanung soll zu Ende geführt werden
Angesichts der neuen Zahlen und auch mit Blick auf die momentane Haushaltssituation hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, den Neubau in Frauenzimmern vorerst nicht zu verwirklichen, obwohl die Planungen schon weit fortgeschritten sind. Die von den einzelnen Fachbüros fast abgeschlossene Leistungsphase 5, die sogenannte Werkplanung, soll auch noch zu Ende geführt werden. Mit den vorliegenden Planungen und der Einreichung des Bauantrags für die Kita Riedfurt sind dann auf jeden Fall die Voraussetzungen geschaffen, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können.
Die Bedarfsplanung für die derzeit sieben Kindertagesstätten in der Gesamtstadt wird vom Gemeinderat alle zwei Jahre beschlossen. Sie betrifft jeweils die beiden folgenden Kindergartenjahre und dient der vorausschauenden Personal- und Belegungsplanung. In der Vergangenheit sah es so aus, als würden mehr Krippenplätze gebraucht. Folge war der Beschluss, eine weitere Kindertageseinrichtung anzugehen. Doch inzwischen zeigt die Entwicklung in eine andere Richtung.
Durchschnittliche Geburtenrate von 54 Kindern
Sowohl im Landkreis Heilbronn wie auch landes- und bundesweit ist die Zahl der Geburten in den vergangenen Jahren gesunken. Und mit einem Anstieg ist auch in den kommenden Jahren nicht zu rechnen. In Güglingen sieht es konkret so aus: Wurden zwischen dem 1. September 2019 und dem 31. August 2020 noch 79 Kinder geboren, so waren es zuletzt, im gleichen Zeitraum der Jahre 2024/2025, nur noch 56. Seit 2022 ergibt sich eine durchschnittliche Geburtenrate von 54 Kindern.
Hinzu kommt, dass der Anteil der Kinder, die in Krippen betreut werden, landesweit rückläufig ist. Galt bislang eine Betreuungsquote von bis zu 60 Prozent als realistisch, so rechnen manche Kommunen inzwischen mit weniger als 30 Prozent. Güglingen hatte 2025 eine Betreuungsquote von 41 Prozent, die vorläufig auch als Grundlage für die weiteren Berechnungen dienen soll.
Betreuungsquoten und Kapazitäten unterschiedlich
Bei den unter Dreijährigen sieht die Bedarfsermittlung so aus: Drei Geburtenjahrgänge mit dem Mittelwert von 54 Kindern bei einer Quote von 41 Prozent ergibt einen Bedarf von 66 Plätzen – vorhanden sind derzeit 67 Plätze. Bei den Ü3-Kindern ist die für Güglingen berechnete Betreuungsquote von 98 Prozent zugrunde gelegt. Hier ergibt sich ein Bedarf von insgesamt 210 Plätzen, denen ein Platzangebot von 291 gegenübersteht.
Fazit: Im Bereich der Ü3-Betreuung sind die Kapazitäten der Betreuungseinrichtungen nach aktuellem Stand mehr als ausreichend. Bei den Kindern unter drei Jahre ist die Platzkapazität laut der Prognose zwar weiterhin angespannt, kann aber wohl auch ohne einen Kita-Neubau abgedeckt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, auf etwaige kurzfristige Engpässe zu reagieren. Altersgemischte Gruppen, Einsatz von Tageseltern oder auch die Nutzung von Kita-Flex sind hier einige Stichworte.
Bei Bedarf kann rasch gehandelt werden
Gleichwohl bleibt die Bedarfsplanung immer eine Momentaufnahme. Auch mit Blick auf Faktoren wie die unsichere Wirtschaftslage oder mögliche Migrationsbewegungen ist die weitere Entwicklung schwer überschaubar. Der tatsächliche Bedarf muss daher immer wieder überprüft und angepasst werden. Sollten steigende Bedarfszahlen den Bau der Kita Riedfurt erforderlich machen, kann der Gemeinderat jederzeit einen entsprechenden Beschluss fassen. Mit der Einreichung des Bauantrags hat sich die Stadt die Tür offengehalten, um rasch handeln zu können.