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Nachrichten | Baumgartner, Elena | 13.04.2021

INKI-Projekt geht in eine neue Runde – und soll nun in allen Kindergärten fest etabliert werden

In der Kindertagesstätte Herrenäcker in Güglingen wurde zum Kindergartenjahr 2016/17 das Projekt der interaktiven Kindergartengruppe, kurz INKI, ins Leben gerufen. Nun soll es nicht nur bis mindestens 2023 verlängert werden, sondern in allen Kindergärten in Güglingen letztlich als anhaltender Normalzustand etabliert werden. „Weg vom Projektstatus, das ist das Langzeitziel“, so die Kita-Fachberaterin und INKI-Koordinatorin Renate Sterkel.

Das Thema der Inklusion ist seit einigen Jahren im Vormarsch. Möglichkeiten, wie Inklusion gelebt und praktiziert werden kann, gibt es viele. So stand auch die Stadt Güglingen vor mehr als fünf Jahren vor der Frage, was sie als Kindergarten-Träger konkret tun kann. Gängige Praxis sei, Kindern mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf eine pädagogische Begleitperson zur Seite zu stellen. Jene komme jedoch, so erklärt Sandra Koch, Hauptamtsleiterin in Güglingen, nur einmal pro Woche einige Stunden zur Förderung in die Kita. Sterkel verdeutlichte, dass es für die betroffenen Kinder ohnehin in der Regel oft schwierig sei, ein Vertrauensverhältnis zu fremden Personen aufzubauen. 
„Außerdem möchte man die Kinder ja nicht herausnehmen und extra fördern, um sie dann alleine wieder zurück in die Gruppe zu schicken. Wahre Inklusion ist, wenn diese Förderung nebenbei im Alltag der Kinder geschieht – durch eine feste Person, die zum Team gehört, die jeden Tag da ist, die die Eltern kennen und der die Kinder vertrauen.“, so Sterkel.

Das war der Beginn der INKI-Idee, die seitdem von mehreren Kooperationspartnern finanziert wird. Durch die Unterstützung der strukturierten Eingliederungshilfe des Landratsamts Heilbronn, die Mitfinanzierung von Weber Hydraulik in Güglingen und nicht zuletzt dem Mehrkostenausgleich der Stadt Güglingen konnten zwei 50%-Stellen geschaffen werden, eine Sozialpädagogin und eine Heilpädagogin. Außerdem seien die nötigen baulichen Maßnahmen für einen behindertengerechten Zugang ergriffen, sowie besondere Spielgeräte angeschafft worden, wie etwa das Bodentrampolin im Herrenäcker, das auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sei. In der Kita Herrenäcker gibt es seit der Erweiterung zudem zwei Therapieräume für die Einzelförderung.

Das Angebot richtet sich nicht nur an Kinder mit einer bereits diagnostizierten Behinderung, auch Kinder mit einer verzögerten Entwicklung können die Unterstützung in Anspruch nehmen. Zuerst werde immer geschaut, „was kann, will und braucht das Kind, um am Lebensumfeld Kita teilzunehmen.“ Die Gebühren für Kinder mit Unterstützungsbedarf sind in Güglingen nicht höher, als für andere Kinder. Die Kostendifferenz gleichen die Projektpartner aus. Außerdem gibt es nicht eine separate „INKI-Gruppe“, die „INKI-Kinder“ sind aufgeteilt und in allen Gruppen untergebracht. So können sie voneinander und miteinander lernen, Barrieren überwinden und Freunde vor Ort finden. „Die größten Barrieren sind sowieso die im Kopf, meist mehr bei den Erwachsenen als bei den Kindern selbst.“, erklärt Sterkel.

Ganz nach dem Motto „Es ist normal verschieden zu sein“ nach Richard von Weizsäcker, setzt sich das gesamte Team des Inklusionsprojekts mit einem großen Qualitätsanspruch an die Förderung für dessen Fortbestand ein und geht nun eine nachhaltige, dauerhafte Etablierung in allen Einrichtungen in Güglingen an.