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Achter Landschaftspflegetag in Güglingen am 2. Februar

11.02.2019

Wie kooperative, zielstrebige Landschaftspflege aussieht, davon konnte man sich am vergangenen Samstag in Güglingen ein Bild machen. Trotz des nebligen und kühlen Vormittags hatten sich rund 19 ehrenamtliche Helfer und die Klasse 2b der Katharina-Kepler-Schule mit einigen Eltern und ihrem Klassenlehrer am ehemaligen Steinbruch „Hinter der Steingrube“ in Güglingen eingefunden. Insgesamt waren 48 Helfer an diesem Samstag im Einsatz. Ziel des Landschaftspflegetages, zu dem die Stadt Güglingen gemeinsam mit dem Landschaftserhaltungsverband für den Landkreis Heilbronn e.V. und dem NABU Güglingen geladen hatte, war vorrangig die Freistellung der Felswand.

 

Der aufgelassene Schilfsandstein-Steinbruch ist seit Mitte der 80er Jahre als sogenanntes flächenhaftes Naturdenkmal geschützt.

Die ehemaligen Abbauwände mit Höhen von sechs bis acht Metern weisen eine wichtige Schichtung auf – massive Sandsteinbänke sind durchzogen von einer feingeschichteten Verwerfungsspalte. Dieses besondere Sedimentgefüge lässt Rückschlüsse auf die bewegte Erdgeschichte der Region zu.

Der Einblick in den Aufbau des Gesteins war leider über die letzten Jahre nicht mehr möglich gewesen. Zahlreichen Gehölze sind auf der ehemaligen Talsohle aufgegangen und wachsen direkt vor der Felswand. Um dieses geologische Fenster zu erhalten, legten am Samstag die Bauhofmitarbeiter Hand an der Motorsäge an. Entfernt wurden ausgewählte Weiden,  Zitterpappeln, Haselnusssträucher und Brombeeren. Ehrenamtliche Helfer schnitten in den steileren Bereichen mit Astscheren und Sägen von Hand und räumten das Material ab. Nun kann der Steinbruch wieder hervorragend als Demonstrationsobjekt genutzt werden.

 

 

Neben der besonderen Geologie ist der Steinbruch auch aus ökologischen Gründen schützenswert. Als von Menschenhand geschaffenes Sekundärbiotop dient er vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum und Rückzugsgebiet in der freien Reb- und Feldflur. Viele wärmeliebende Arten profitieren von der besseren Belichtung der Felswände und Hänge, wie beispielsweise die Mauereidechse. Für Sie wurde bereits im vergangenen Jahr mit der Trockenmauer am Hummelberg im Rahmen eines Landschaftspflegetages neuer Lebensraum geschaffen. Auch der kleine Tümpel im östlichen Teil des Steinbruchs kann sich in diesem Frühjahr schneller erwärmen und wird damit als Laichgewässer für viele Amphibienarten attraktiver.

 

Ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz konnte außerdem im westlichen Bereich des Steinbruchs geleistet werden. Hier füllt eine steile Wand aus Lehm einen großen Bereich vor der Felswand aus. Auch an dieser Stelle wucherten seit Jahren Brombeeren und Sträucher. Dabei können gerade solche Lehmhänge viele gefährdete Wildbienenarten unterstützen, wenn sie offen gehalten werden.

 

Im klassischen „Wildbienenhotel“ kommen nämlich viele Arten nicht unter. Die Nisthilfen, die meistens aus verschieden großen Bohrlöchern in Holz oder Pflanzenstängeln aufgebaut sind, bieten zwar manchen Arten die Möglichkeit eine Brut anzulegen wie bzw. der Rostroten Mauerbiene, dem Insekt des Jahres 2019.

Die meisten Wildbienenarten sind allerdings deutlich spezialisierter und nehmen keine solchen bereits vorhandenen Hohlräume an. Ein Großteil der bei uns vorkommenden Wildbienenarten nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen im Erdboden.

Genau für diese Arten konnte nun im alten Steinbruch wieder Lebensraum geschaffen werden. Ein ca. sechs Meter breiter Abschnitt der steilen Lehmwand wurde von den ehrenamtlichen Helfern unter vollem Körpereinsatz freigestellt und abgeräumt. Steilwandbewohnende Wildbienenarten finden nun eine abwechslungsreiche Mischung aus Brutraum und Nahrungsangebot.

In den Folgejahren muss dieser Einsatz in kleinerem Umfang wiederholt werden, um dauerhaft offene Bodenstellen zu gewährleisten.

 

Wieviel man bereits an einem Vormittag erreichen kann, wenn verschiedenste Akteure gemeinsam aktiv für Artenschutz und Kulturlandschaft mit anpacken, wurde deutlich gezeigt.

 

Zeitgleich wurde ein großer Teil des Steinbruchs sowie die Parkbucht von der zweiten Klasse der Katharina-Keppler-Schule von Müll befreit. Begleitet von ihrem Klassenlehrer, Herrn Leonhardt, von Frau Renate Nowak vom NABU Güglingen und einigen Eltern konnten die Kinder mehrere Säcke Müll einsammeln und waren am Ende sehr stolz auf ihre geleistete Arbeit. Ein Teil der zweiten Klasse half auch im Steinbruch, die vom Bauhof abgesägten Weiden, Zitterpappeln und Haselnusssträucher zur Seite zu schaffen. Am Ende waren dann doch einige der fleißigen Helfer erschöpft aber sichtlich gut gelaunt über die geleistete Arbeit. Insgesamt konnte die Landschaftspflege kombiniert werden mit wichtiger Umweltbildung.

 

 

Am Ende gab es für alle Helfer ein gemeinsames Mittagessen. Zur Stärkung wurde von den Damen des Bauhofs eine warme Kartoffelsuppe ausgegeben. So mancher hatte es sich auch nicht nehmen lassen einen zweiten und dritten Teller zu sich zu nehmen - so gut hatte diese geschmeckt. Gut gelaunt und wieder bei Kräften fanden unter den verschiedenen Helfern interessante Gespräche zum Thema Natur- und Umweltschutz statt. So konnten Jagdpächter und Naturschutzverbände auf gleicher Augenhöhe ihre Sichtweise zum Naturschutz erfolgreich austauschen. Der Landschaftspflegetag hat wieder allen wieder sehr viel Spaß gemacht und er soll daher auch im nächsten Jahr wieder organisiert werden.

 

 

 

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