Im Güglinger Gewann Ochsenwiesen/Steinäcker war schon seit langer Zeit eine römische Ansiedlung bekannt.
Bei der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen wurden immer wieder römische Funde geborgen.
Erste Grabungen fanden bereits im Jahr 1841 statt – initiiert vom Güglinger Stadtpfarrer Karl Klunzinger. Dieser schätzte die Ausdehnung der Siedlung sehr optimistisch auf 150 württembergische Morgen – das entspräche heutzutage einer Fläche von 47,28 Hektar! In der Forschungsmeinung setzte sich aber die Ansicht durch, es handele sich bei den Güglinger Siedlungsresten lediglich um einen ausgedehnten römischen Gutshof.
Erst in den 1990er Jahren tauchte auch andernorts ein römischer Siedlungstypus auf, der weder mit landwirtschaftlichen Anwesen gleichzusetzen und auch nicht an einen Militärstandort gebunden war: Der ländliche Vicus.
Diese Siedlungen befanden sich im Hinterland der römischen Grenze und besaßen eine zentralörtliche Bedeutung für die Umgegend als Marktorte, die in enger Verbindung standen mit der umliegenden Infrastruktur der produzierenden Gutshöfe.
Als die Stadt Güglingen vor wenigen Jahren die Bebauung des Industriegebiets Ochsenwiesen/Steinäcker beschloss und einleitete, wurde akuter Handlungsbedarf notwendig.
In den Jahren 1999 und 2000 wurden durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg erste Notgrabungen durchgeführt, die im Jahr 2001 in einer ausgedehnten Großgrabung mündeten.
Bis ins Jahr 2005 wurde so ein beträchtlicher Teil der römischen Siedlung von Güglingen ergraben. Sie war der zentrale Marktort des Zabergäus, verkehrsgünstig an der römischen Zabertalstraße und an der damals mit römischen Lastkähnen bis hierher noch schiffbaren Zaber gelegen.
Ausgrabungs-Ergebnisse
Die Ergebnisse der Ausgrabungen lieferten ein detailliertes Bild des Güglinger Vicus:
- Durch den Ort zog sich neben etlichen weiteren Wegen ein breiter, zentraler Straßenzug, der platzartig erweitert war.
- Die Straße wurde gesäumt
von über 30 Häusern, sogenannten Streifenhäusern, denen zur Straße hin ein
überdachter Säulengang vorgelagert war.
Dort luden in einer Art Ladenpassage die Auslagen der Händler und
Handwerker zum Flanieren ein.
- In den Häusern selbst
folgte dann der Laden- und Werkstattbereich und darauf die Privaträume.
- Gut zwei Drittel der
umzäunten, langrechteckigen Grundstücke blieben als rückliegende Hof- und
Wirtschaftszone unbebaut.
Dort befanden sich Brunnen, Freiluftwerkstätten und Töpferöfen, Latrinen, Abfallgruben, Materialgruben zur Entnahme von Lehm für Ausbesserungsarbeiten an den Häusern, kleine Gartenflächen und Gehege für Kleinvieh. - Ein großes öffentliches
Badegebäude ergänzte die Siedlung und sicherte den römischen
Lebensstandard, zu dem für jeden Bewohner der tägliche Hygienezyklus beim
obligatorischen Besuch des Bades gehörte.
- An einer zentralen Kreuzung
im Ort lag ein römisches Straßenheiligtum, in dem die römischen
Staatsgötter öffentlich verehrt wurden.
Hier stand auch eine fast lebensgroße Skulptur des Gottes Hercules, dem Schutzpatron des Handels, Handwerks und Verkehrs. - Am Rand der Siedlung fanden
sich zwei Heiligtümer des Mithraskultes, in denen kleine
Kultgemeinschaften die geheime Verehrung des Licht- und Erlösergottes
praktizierten.



