In Güglingen reifte der Gedanke, die zum Teil einzigartigen
Hinterlassenschaften der römischen Vergangenheit der Öffentlichkeit zugänglich
zu machen. Unterschiedliche Standorte wurden für ein Museum diskutiert.
Der verstorbene Architekt und Güglinger Ehrenringträger Heinz Rall ließ die
Überlegungen schließlich Gestalt annehmen: Mit einer großzügigen Schenkung
leitete er im November 2005 den Umbau des Alten Rathauses im Stadtkern zum
Römermuseum ein.
Der Architekt hatte maßgeblichen Anteil an der Erneuerung
und Umgestaltung des Güglinger Stadtkerns. Er wollte nach eigenen Worten mit
einer einzigartigen Initiative dafür sorgen, die Stadtmitte wieder mit neuen
Impulsen zu beleben.
Die Planung für Umbau und Sanierung stellte Rall kostenlos zur Verfügung.
Darüber hinaus hatte er sich bereit erklärt, mit einer großzügigen,
zweckgebundenen Schenkung für eine Anschub-Finanzierung zu sorgen. Leider hat
er es nicht mehr erleben können, wie seine Idee in die Tat umgesetzt worden
ist. Heinz Rall verstarb am 29.
August 2006. Seine Ideen wurden aber von Architekt Dieter Schmid in
Zusammenarbeit mit dem Archäologen Enrico De Gennaro verwirklicht.
Der Startschuss zum Museumsbau fiel am 8. November 2005.
Nachdem die 2001 angestellten
Überlegungen, das Alte Rathaus zum Jugendzentrum umzubauen, zwischenzeitlich
überholt waren, hatte man Planungen für dieses dominante Gebäude
vorübergehend zu den Akten gelegt.
Nach den archäologischen Ausgrabungen im Gebiet „Ochsenwiesen/Steinäcker“
und den dort gemachten Entdeckungen war schnell die Idee entwickelt worden,
diese zum Teil sensationellen Funde im alten Rathaus zentral zu präsentieren.
„Es geht nicht um den Ehrgeiz, ein Super-Bauwerk zu erstellen, sondern vielmehr
darum, dem Stadtkern von Güglingen wieder mit einem neuen Impuls zu beleben“,
erläuterte Heinz Rall damals seinen Antrieb.
Wichtig war für den verstorbenen
Stadtbaumeister von Güglingen, dass die konzeptionelle Gestaltung und Belegung
der Räume „eine Arbeit für Fachleute" sein muss.
Quer durch alle Ratsfraktionen wurde die Initiative von Architekt Rall sehr
begrüßt und positiv aufgenommen. Man verständigte sich darauf, das Alte Rathaus
zu sanieren und dann mit Fachleuten nach musealen Gesichtspunkten einzurichten.
Beim Mithräum vor Ort entschied sich der Gemeinderat für eine Rekonstruktion
der Fundstelle im Gebiet „Ochsenwiesen-Steinäcker“.
Archäologe mit
Museums-Konzeption beauftragt
Der Gemeinderat hat die inhaltliche Gliederung der
Museums-Konzeption einem Fachmann übertragen. In Abstimmung mit dem
Landesdenkmalamt wurde eine Bestandsaufnahme samt Sichtung und Bewertung der
Funde aus den „Ochsenwiesen“ gemacht werden.
Archäologe Enrico DeGennaro wurde per Zeitvertrag angestellt. Er hat am 1. März 2006 damit
begonnen, das Ausstellungskonzept für das Alte Rathaus didaktisch
aufzuarbeiten.
Während der Umbauphase hat er Markus Ege als Gestalter für
die Ausstellungs-Präsentation hinzugezogen.
Authentisches Bild der Römerzeit
Die
Konzeption des Museums im Alten Rathaus Güglingen sieht vor, auf
unterschiedlichen Ebenen ein nach heutigem wissenschaftlichem Stand möglichst
authentisches Bild des Lebens in einer ländlichen römischen Kleinstadt zu
geben.
Teilweise
entstehen die antiken Gebäude neu in den Räumen des Alten Rathauses, unter
Verwendung von historischen Baumaterialien sowie originalen Werkstücken.
(Freilichtmuseum
unter dem Museumsdach)
Eine Straße
aus Stampflehm mit eingegrabenen Wagenspuren, eine überdachte, öffentliche Verkaufs-
und Durchgangszone (Porticus), ein Handwerker- und ein Privatraum, eine
Hofparzelle sowie das bedeutende, als einziges (neben einem Brunnen) auf dem
ehemaligen Ausgrabungsgelände als Grundriss noch erhaltene Mithräum, wurden
rekonstruiert.
Die große Zahl der Fundstücke zum Alltag dieser Siedlung werden nach ihrem Gebrauch und ihrem
Funktionszusammenhang vielfach in nachempfundenem römischem Mobiliar
ausgestellt.
Auch auf
sprachlicher Ebene wird versucht, sich der römischen Welt und ihren Empfindungen zu nähern.
Viele
lateinische Zitate (mit deutscher Übersetzung) zieren die Texte.
Hörbar wird
antiker Alltag in sechs kurzen Sequenzen zu Szenen auf der Straße, beim Verkauf,
im Hof, bei einer Weihung und im Mithräum.
Auch die multimediale
Seite kommt mit einen virtuellen Rundflug über das Zabergäu vor 1800 Jahren,
der Annäherung an den Vicus und einem Durchgang entlang der Hauptstraße des Straßendorfes
nicht zu kurz.
Immer
wieder Ruhezonen und Sitzmöglichkeiten erlauben vertiefendes Nachlesen und
Eintauchen in das römische Ambiente.
Vieles ist zum Anfassen und Entdecken, die
Materialechtheit spricht vor allem auch Kinder an, für die an einigen Stellen Lerneinheiten
geplant sind.
Enrico De Gennaro hatte schon die Güglinger Römer-Sonderausstellung in Lauffen
aufgebaut und sich mit Markus Ege einen weiteren Fachmann dazu geholt, der seine didaktische Konzeption in die Tat umsetzt.
Das Museums-Konzept für Güglingen wurde von Dr. Andrea Neth
und Dr. Klaus Kortüm begleitet.
Die Umbauarbeiten haben im Alten Rathaus am 11. Januar 2007 begonnen.
Sie wurden unter Federführung des planenden und bauleitenden Architekten Dieter
Schmid in die Tat umgesetzt und zur Museumseröffnung im April 2008 abgeschlossen.
Bildergalerie
Wir haben die Umbauphase des Alten Rathauses zum Römermuseum in Bildern festgehalten und vermitteln gleichzeitig auch einen kleinen Eindruck von dem, was Sie im neuen Museum am Marktplatz in Güglingen erwartet. Bitte klicken Sie hier.
